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Heiter bis wolkig

Die Digitalisierung verheißt uns fast grenzenlose Möglichkeiten. Wie hat sie unser Leben verändert, was hat sie verbessert? Und: Wo wird die Verheißung zur Verheizung, wann grenzenlos zu grenzverletzend?

10.11.2025 Text: Roman Scherer, Robert Habi
Eine Leiter, die in einer Wolke endet
Eine Person vor zwei Rechenzentren ©Endress+Hauser

Mit dem Nutzen wächst dir Gier

Vor nicht allzu langer Zeit konnten wir Dateien nur auf dem eigenen Computer ablegen, auf Wechselspeichern oder auf den Servern unseres Netzwerks. In den Nullerjahren setzte sich ein neues System durch: Riesige Datenmengen ließen sich im Internet speichern, dank der zusammengeschlossenen Kraft vieler Computer in Rechenzentren. Die Cloud war da – und mit ihr der kolossale Vorteil, jederzeit und von überall auf Dokumente, Programme oder Künstliche Intelligenz zugreifen zu können, allein oder mit sehr vielen anderen Menschen gleichzeitig. Die dunkle Seite der Cloud: ihre unbändige Gier nach Energie. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass sich der Strombedarf von Rechenzentren, Cloud-Diensten und KI bis 2030 noch einmal verdoppelt. Das entspräche dem aktuellen Verbrauch von ganz Japan.

Gordon Moore ©Endress+Hauser

„Moore’s Law“ bröckelt

Seine These klang unerhört: 1965 prognostizierte ein gewisser Gordon Moore, dass sich die Zahl der Komponenten, die auf einen integrierten Schaltkreis passen, verdoppeln lasse – und zwar jährlich. Er sollte Recht behalten. Über Jahrzehnte hinweg sorgte technologischer Fortschritt dafür, dass Computerchips immer kleiner und leistungsfähiger wurden. Irgendwann war die vorhergesagte Gesetzmäßigkeit quasi in Silizium gemeißelt, auch wenn Moore, Mitgründer des Chipherstellers Intel, die Zeitspanne später auf zwei Jahre korrigierte. Aber mittlerweile wird’s eng: Die Strukturen moderner Chips sind nur noch wenige Atome breit. „Moore’s Law“ stößt an physikalische Grenzen. Die Branche forscht an neuen Lösungen wie dem Quantencomputer. Motto: More than Moore.

Die Benutzeroberfläche eines MP3-Players, auf der das Wiedergabesymbol angezeigt wird ©Endress+Hauser

Die Standard-Revolution

Konformität beschleunigt den Umbruch. Klingt widersprüchlich, trifft bei der Digitalisierung aber oft zu. Ein Paradebeispiel ist das MP3-Format. Dieses technische Verfahren ermöglichte es in den Neunzigerjahren, Audiodateien zu schrumpfen und gleichzeitig ihre Klangqualität weitgehend zu erhalten. Ein Standard, geschaffen für verschiedene Plattformen. So ließen sich Songs plötzlich geräteübergreifend abspielen, erst auf dem Computer, später auf dem iPod und schließlich auf dem Smartphone. Die digitale Vereinheitlichung revolutionierte die Art, wie wir Musik konsumieren – und ließ in der milliardenschweren Musikindustrie keinen Stein auf dem anderen.

Person in front of a computer ©Endress+Hauser

Unvergessliches Erlebnis

Wollen Sie wissen, wie die Homepage von Amazon im Jahr 2000 aussah? Oder endress.com Ende der Neunziger? Dann drehen Sie eine Runde in der Wayback Machine. So heißt eine Plattform, die seit 1996 das Internet durchkämmt und Schnappschüsse von Webseiten sammelt. 946 Milliarden davon sind mittlerweile archiviert. Die Zeitreise ist nicht ungefährlich: Beim Betrachten alter Fotos kann man schließlich auch erschrecken.

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