810 Stellen neu geschaffen
"Wir wollen nahe bei unseren Kunden sein", erklärte Klaus Endress. "Nur so können wir sie zuverlässig, schnell und flexibel bedienen, überall auf der Welt." Dies sichere die Standorte in Europa und schaffe neue Arbeitsplätze rund um den Globus. Alleine im vergangenen Jahr kamen 810 Stellen hinzu (plus 11,5 Prozent). Ende 2007 zählte Endress+Hauser 7.855 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Prozentual war der Zuwachs im asiatisch-pazifischen Raum am stärksten. Doch auch in der deutsch-französisch-schweizerischen Region um Basel, in der zum Stichtag 4.042 Menschen für die Firmengruppe arbeiteten, wurden 301 Stellen neu geschaffen.
In der Produktion stieß Endress+Hauser trotz des Ausbaus der europäischen und außereuropäischen Standorte immer wieder an die Kapazitätsgrenzen. Der Mangel an Facharbeitern, Ingenieuren und Informatikern machte es schwer, offene Stellen rasch zu besetzen. "Die Zusammenarbeit mit Hochschulen gewinnt vor diesem Hintergrund an Bedeutung", sagte der Firmenchef. So unterstützt Endress+Hauser derzeit beispielsweise vier junge Männer aus Japan, die an der Universität Karlsruhe Maschinenbau studieren. In Kanada stattete das Unternehmen das Labor einer technischen Fachhochschule mit moderner Messtechnik aus. Ungebrochen ist das Engagement der Firmengruppe in der betrieblichen Ausbildung. Daneben startete 2007 die Endress+Hauser Masterclass, die die internen Personalentwicklungsprogramme vernetzt und um neue Trainingsinhalte auf Gruppenebene ergänzt. "Wir brauchen nicht zuletzt für unsere Wachstumsmärkte Führungskräfte, die unsere Firmenkultur mit Leben erfüllen", so Klaus Endress.
Wechselkurse belasten die Geschäftszahlen
"Die Entwicklung der Wechselkurse hat unsere Geschäftszahlen für 2007 stark beeinflusst", erklärte Fernando Fuenzalida, im Vorstand der Firmengruppe zuständig für Finanzen und Controlling. Insbesondere der US-Dollar, Leitwährung in vielen wichtigen Märkten, gab gegenüber dem Euro stark nach - im Jahresverlauf um 9,0 Prozent. "In Schweizer Franken ist unser Umsatz um 17,9 Prozent gestiegen", verdeutlichte Fernando Fuenzalida die Auswirkungen.
Die hohen Preissteigerungen auf den Beschaffungsmärkten belasteten die Erfolgsrechnung. Die Ausgaben für Material und Fremdleistungen wuchsen um 20,0 Prozent auf 330,4 Millionen Euro. Dies wurde teilweise wettgemacht durch eine auf hohem Niveau nochmals gesteigerte Produktivität. Das Unternehmen konnte sein Betriebsergebnis (EBIT) deutlich stärker als den Umsatz um 19,4 Prozent auf 146,4 Millionen Euro verbessern, das Ergebnis vor Steuern (EBT) sogar um 20,4 Prozent auf 146,1 Millionen Euro. Die gegenüber dem Vorjahr veränderte regionale Zusammensetzung des Vorsteuerergebnisses führte zu einer niedrigeren Steuerlast, so dass das Ergebnis nach Steuern um 22,8 Prozent auf 106,1 Millionen Euro wuchs.
Investitionen in Rekordhöhe
Die Firmengruppe bewältigte 2007 Investitionen in Höhe von 94,8 Millionen Euro, 19,4 Prozent mehr als im Vorjahr (siehe separaten Text). "Für das nächste Jahr planen wir sogar ein Volumen von 120 Millionen Euro", sagte Fernando Fuenzalida. Die Finanzkraft der Firmengruppe ist ungebrochen, trotz der um 5,0 Prozent auf 63,1 Millionen Euro erhöhten Bankdarlehen. Ihnen stehen flüssige Mittel von 141,3 Millionen Euro (plus 9,1 Prozent) gegenüber. Die Eigenkapitalquote konnte Endress+Hauser - trotz einer um 14,0 Prozent auf 897,5 Millionen Euro gewachsenen Bilanzsumme - um 2,2 Punkte auf 58,7 Prozent steigern. "Das ist für unsere Branche ein ungewöhnlich hoher Wert", verdeutlichte Fernando Fuenzalida.
Im vergangenen Jahr reichte Endress+Hauser 182 Patentanmeldungen erstmals ein - noch einmal drei mehr als 2006. Etwa 3.900 "lebende" Patente und Patentanmeldungen schützen das geistige Eigentum der Firmengruppe, so Dieter Schaudel, in der Firmengruppe verantwortlich für Technologie, Technik und Informatik. Aus technologischer Sicht ist die nahtlose Integration der Feldgeräte noch immer das beherrschende Thema. "Wir sind überzeugt, dass offene Systeme und standardisierte Schnittstellen bei unseren Kunden den höchsten Nutzen schaffen", bekräftigte Dieter Schaudel. Große Beachtung in der Branche erregte die Öffnung der von Endress+Hauser entwickelten Memosens-Technologie für andere Anbieter. Das revolutionäre System soll in der Analysenmesstechnik zu einem Industriestandard werden. Mit Hamilton Bonaduz, einem Hersteller hochwertiger pH-Sensoren, schloss Endress+Hauser bereits einen entsprechenden Vertrag, mit weiteren Interessenten verhandelt das Unternehmen noch.
Wachstum auch im laufenden Jahr
Vor dem Hintergrund der Turbulenzen an den Finanzmärkten und Börsen sowie der ungünstigen Entwicklung der Wechselkurse rechnet Endress+Hauser für 2008 mit einer verhalteneren Entwicklung. "Wir haben uns ein Ziel von 8 Prozent Umsatzwachstum vorgenommen", erklärte Klaus Endress. "Dies wird - nicht zuletzt wegen des Kursverfalls des US-Dollars - nicht leicht zu erreichen sein." Im ersten Vierteljahr verzeichnete das Unternehmen gutes, wenn auch im Vergleich zu 2007 geringeres Wachstum. Die USA und insbesondere Japan blieben bislang hinter den Erwartungen, der europäische Markt entwickelte sich jedoch gut. "Wir sind mit dem Auftragseingang im Plan", sagte Klaus Endress. "Sorgen bereitet uns die Kostenentwicklung." Der steigende Aufwand für Material und Personal sowie der auch von den Wechselkursen beeinflusste Verfall der Margen drücken den Gewinn.
Veränderungen im Executive Board der Firmengruppe
Das Executive Board der Endress+Hauser AG steht vor Veränderungen. Dieter Schaudel, Chief Technology Officer (CTO) und Chief Information Officer (CIO) der Firmengruppe und seit vielen Jahren in verantwortlichen Positionen für Endress+Hauser tätig, wird Ende Juni 2008 mit Vollendung des 65. Lebensjahres in den Ruhestand treten. "In nahezu 26 Jahren bei Endress+Hauser hat Herr Schaudel eine Menge für das Unternehmen bewegt - auf dem Gebiet der Strategie, der Technologie, der Informatik, des Patentwesens und der Öffentlichkeitsarbeit", sagte Klaus Endress. "Dafür sind wir ihm zu großem Dank verpflichtet."
Dieter Schaudels Verantwortungsbereich wird künftig aufgeteilt. Pieter de Koning wird sich ab 1. September 2008 auf Gruppenebene um Logistik, Informatik und Organisation kümmern. Der 47-Jährige hat Maschinenbau studiert und besitzt einen zusätzlichen Abschluss in Betriebswirtschaft mit Vertiefungsrichtung Informatik und Logistik. Der gebürtige Niederländer war für verschiedene Unternehmen in den Bereichen Logistik, Supply Chain Management und Produktion tätig. Zuletzt arbeitete er in der pharmazeutischen Industrie.
Nach einem Verantwortlichen für die verschiedenen Product Center der Firmengruppe wird noch gesucht. "Wir wollen das Executive Board verstärken und damit den Erfordernissen unseres stark wachsenden Unternehmens gerecht werden", sagte Klaus Endress. Über die neue Struktur und die Besetzung wird Endress+Hauser zu gegebener Zeit informieren. |